Größen, von der Werkbank aus
Was ist eine Konfektionsgröße? Die Formel und ihre Grenze
Die Konfektionsgröße bei Herren ist keine Erfindung der Marken, sondern eine Rechnung: Brustumfang geteilt durch zwei. 100 Zentimeter Brust ergeben Größe 50. Daraus leiten sich die beiden anderen Reihen ab, und zwar ebenfalls durch Rechnen: die untersetzte Größe ist die halbierte Normalgröße (aus 50 wird 25), die schlanke Größe ist die Normalgröße minus eins, mal zwei (aus 50 wird 98). Wer gelegentlich ungerade Zahlen wie 51 oder 53 sieht: das sind Bauchgrößen, Normalgröße plus eins. Das ganze System steht damit auf einem einzigen Maß, und genau da liegt seine Grenze. Zwei Männer mit derselben 50 brauchen nicht dasselbe Sakko. Wir nehmen 47 Maßfelder, 31 davon Pflicht, weil die Brust nur eines davon ist.
Die drei Reihen, und wie man umrechnet
| Normalgröße | Untersetzt (kurz) | Schlank (lang) | |
|---|---|---|---|
| Formel | Brustumfang geteilt durch zwei | Normalgröße geteilt durch zwei | Normalgröße minus eins, mal zwei |
| Zahlenbereich | 44 bis 74 | 22 bis 37 | 90 bis 122 |
| Beispiel bei 100 cm Brust | 50 | 25 | 98 |
| Für wen gedacht | Durchschnittliche Körperhöhe und Proportion | Kompaktere Statur, kürzere Beinlänge, mehr Bundweite | Größere und schlankere Statur, längere Ärmel und Länge |
| Was die Zahl nicht sagt | Nichts über Schulterbreite, Armlänge oder Haltung | Nichts darüber, wie viel Bauch tatsächlich vorhanden ist | Nichts darüber, ob die Schulter mitgewachsen ist |
Die Formeln folgen der gängigen deutschen Konfektionsgrößen-Definition und sind öffentlich nachlesbar. Der Brustumfang wird bei normaler Atmung und aufrechter Haltung gemessen, nicht mit angehaltener Luft.
Die Begriffe auf dem Etikett
Fünf Wörter, mit denen sich eine Größenangabe entschlüsseln lässt.
- Normalgröße
- Die Hauptreihe, 44 bis 74, gerechnet als Brustumfang geteilt durch zwei. Sie unterstellt eine durchschnittliche Körperhöhe zu diesem Brustumfang. Wenn Ihre Höhe von dieser Annahme abweicht, weicht auch alles ab, was daran hängt: Ärmellänge, Sakkolänge, Position der Taille.
- Untersetzte Größe
- Die kurze Reihe, 22 bis 37, gerechnet als Normalgröße geteilt durch zwei. Aus 50 wird 25. Gedacht für kompaktere Statur mit kürzerer Beinlänge und mehr Bundweite. Der praktische Nutzen: Sie kaufen nicht dieselbe Größe kürzer, sondern einen anders proportionierten Schnitt.
- Schlanke (lange) Größe
- Die lange Reihe, 90 bis 122, gerechnet als Normalgröße minus eins, mal zwei. Aus 50 wird 98, aus 52 wird 102. Für größere und schlankere Statur. Die Reihe erklärt auch, warum die Zahlen so groß wirken: Sie sind Verdopplungen, keine Zentimeter.
- Bauchgröße
- Die ungeraden Zahlen, 51 bis 73, gerechnet als Normalgröße plus eins. Sie geben an derselben Brust mehr Weite in der Taille. Die meisten Käufer sehen diese Zahlen nie, weil viele Häuser sie nicht führen, und wundern sich dann, dass ein Sakko in der Brust passt und im Bund spannt.
- Brustumfang
- Gemessen an der stärksten Stelle der Brust, waagerecht rundum, bei normaler Atmung und aufrechter Haltung. Wer die Luft anhält oder das Band strafft, misst zwei bis drei Zentimeter zu wenig und landet eine Konfektionsgröße zu klein, was in der Brust sofort als X-Falte am Knopf sichtbar wird.
Häufige Fragen
Was ist eine Konfektionsgröße?
Bei Herren ist es der Brustumfang in Zentimetern geteilt durch zwei. 100 Zentimeter Brust ergeben Größe 50, 96 ergeben 48. Es ist also keine willkürliche Nummer, sondern eine Rechnung, und sie beruht auf genau einem Körpermaß. Alles andere am Kleidungsstück, Schulterbreite, Ärmellänge, Sakkolänge, wird aus einer Durchschnittsannahme abgeleitet, die für Sie stimmen kann oder eben nicht.
Wie rechnet man untersetzte und schlanke Größen um?
Die untersetzte Größe ist die halbierte Normalgröße: aus 50 wird 25, aus 52 wird 26. Die schlanke Größe ist die Normalgröße minus eins, mal zwei: aus 50 wird 98, aus 52 wird 102. Beide Reihen beschreiben denselben Brustumfang bei anderer Körperhöhe und Proportion. Wer die Rechnung kennt, kann jedes Etikett in jeder Reihe lesen, auch im Ausverkaufsregal ohne Beratung.
Warum gibt es ungerade Konfektionsgrößen wie 51 oder 53?
Das sind Bauchgrößen, gerechnet als Normalgröße plus eins. Sie liefern bei gleichem Brustumfang mehr Weite in der Taille. Viele Häuser führen sie nicht, weshalb die meisten Käufer sie nie zu Gesicht bekommen und stattdessen eine Nummer größer nehmen, was die Schulter zu breit macht. Wenn Ihnen Sakkos in der Brust passen und im Bund spannen, ist das die Reihe, nach der Sie fragen sollten.
Welche Konfektionsgröße entspricht L oder XL?
Darauf gibt es keine verlässliche Antwort, und das ist der Punkt. Buchstabengrößen sind nicht genormt: Ein L kann je nach Haus 48, 50 oder 52 sein, und dieselbe Marke vergibt sie in verschiedenen Linien unterschiedlich. Die Konfektionsgröße ist gerechnet, das L ist gesetzt. Wenn beide Angaben auf dem Etikett stehen, glauben Sie der Zahl.
Kann man nach Konfektionsgröße kaufen, ohne anzuprobieren?
Wir raten davon ab, jedenfalls beim Sakko. Die Zahl trifft Ihre Brust und sonst nichts. Schulterbreite entscheidet, ob ein Sakko überhaupt in Frage kommt, und sie steckt nicht in der Größenangabe; ein Schneider kann fast alles ändern, die Schulter praktisch nicht. Bei Hosen ist der Kauf nach Zahl deutlich sicherer, weil Bund und Länge beide angegeben und beide änderbar sind.
Warum reichen 47 Maße, wenn eine Zahl genügen soll?
Weil die eine Zahl nicht genügt, sie ist nur schnell. Eine Konfektionsgröße beschreibt einen Brustumfang und unterstellt den Rest. Wir arbeiten mit 47 Feldern, 31 davon Pflicht, weil Schulter, Rückenlänge, Vorderlänge, Ärmellänge und Gesäßweite unabhängig voneinander variieren und sich nicht aus der Brust ableiten lassen. Für ein Regal ist eine Zahl die richtige Vereinfachung. Für ein Kleidungsstück, das gemacht wird, ist sie keine.
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